Von Open Access zu Open Science: Zum Wandel digitaler Kulturen der wissenschaftlichen Kommunikation

Abstract

HINWEIS: KOMMENTARE SIND AUFGRUND DER PROMOTIONSORDNUNG NICHT ERLAUBT UND DEAKTIVERT! DIESE ARBEIT IST IN BEARBEITUNG (WORKING DRAFT) UND WURDE IM AUGUST 2014 AUS ANDEREN DOKUMENTEN ZUSAMMEGESETZT. Weitere Informationen: http://offene-doktorarbeit.de

Einleitung

Die Kenntnis des gegenwärtigen Wissensstandes sowie uneingeschränkte und offene Kommunikation werden als wichtige Voraussetzungen für wissenschaftliche Forschung betrachtet (Gläser 2006) (Gibbons 1994). Offenheit und Transparenz werden zudem als wesentliche Bestandteile einer Ethik der Wissenschaft bezeichnet (Peters 2014) (Resnik 2005) und sind Grundlage für den gesellschaftlichen Auftrag des Wissenschaftssystems (:3 Hanekop 2014), neues überprüfbares Wissen zu produzieren und zu verbreiten (:551 Lüscher 2014) (:298 Luhmann 1998) (:100 Graefen 2007). In dieser Arbeit wird untersucht, welche Auswirkungen die Digitalisierung und die Forderungen nach Öffnung der Wissenschaft auf die wissenschaftliche Kommunikation von Universitäten, wissenschaftlichen Einrichtungen und von den einzelnen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen haben.

Die gestörten Gleichgewichte im aktuellen wissenschaftlichen Publikationssystem (Joseph 2006), die Mängel in den wissenschaftlichen Anreizsystemen (Osterloh 2008), der steigende Publikationsdruck, die finanzielle und ideelle Notlage von Bibliotheken (Russell 2008) (Sietmann 2007), Herausforderungen bei der Wahrung der Freiheit und Unabhängigkeit von Wissenschaft und Forschung (Götting 2015), fehlende Transparenz, der Anstieg an Wissenschaftsskandalen (Brembs 2015) und die zunehmende Ökonomisierung des Universitätsbetriebs (Bauer 2006) führen dabei zu der Frage, ob das wissenschaftliche Kommunikationssystem der theoretischen Aufgabe von Wissenschaft uneingeschränkt gerecht werden kann (Schekman 09.12.2013) oder jemals in vollem Umfang gerecht werden konnte.

Mit der zunehmenden Verbreitung und Etablierung des Internets als Kanal für die wissenschaftliche Kommunikation, für Forschungsaktivitäten und den Austausch von Informationen wurden neue Hoffnungen für die Verbesserung der “fatalen und unhaltbaren Situation” (:155 Brembs 2015) sowie für die Öffnung des Wissenstransfers (Schulze 2013) (Albert 2006) und des wissenschaftlichen Kommunikationsprozesses geweckt (Hanekop 2014) (European Commission 2006) (Goodrum 2001) (Lawrence 1999). Diese Erwartungen umfassen unter anderem den Wunsch nach “unbeschränktem Zugang zur gesamten wissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur” (BOAI 2002), nach mehr Transparenz im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess (The European Commission 2015), nach Möglichkeiten der Steigerung von Effizienz und Effektivität von Wissenschaft (Partha 1994) und “dass die alten Zugangs- und Nutzungsbeschränkungen sukzessive ausgeräumt werden” (BOAI 2002) können. Grundlage dafür ist die Annahme, dass die Folgen der technologischen Entwicklungen “zwangsläufig zu erheblichen Veränderungen im Wesen des wissenschaftlichen Publizierens führen und einen Wandel der bestehenden Systeme wissenschaftlicher Qualitätssicherung einleiten” (Max Plank Society 2003) würden.

Im Zuge dieser technologischen Entwicklungen, politischer Forderungen und gesellschaftlicher Annahmen gab und gibt es auf der einen Seite ein großes Interesse an der offenen Kommunikation und Unterstützung für den Wunsch nach freiem Zugriff auf wissenschaftliche Informationen. Auf der anderen Seite hat die Medien- und Technikgeschichte gezeigt, dass es bei Einführung eines neuen Mediums mit größerer Reichweite immer wieder zu Irritationen (Näder 2010) und Irrelevanz- oder gar Verlustängsten kommt (Hagner 2015). So zeigten die ersten Erfahrungen des Experimentierens mit dem Internet als neuem Kommunikationskanal für den wissenschaftlichen Austausch schnell, dass es sehr viel schwieriger sein würde, das wissenschaftliche Kommunikationssystem zu öffnen, und dass die Hürden für einen Wandel des Systems größer sind, als ursprünglich angenommen (Björk 2004).

Somit bestehen trotz der zunehmenden Digitalisierung wissenschaftlicher Kommunikationssysteme und -prozesse weiterhin umfangreiche Barrieren beim Zugang zu wissenschaftlichen Informationen sowie bei den Möglichkeiten der (Weiter-)Verwendung dieser Informationen. Nur sehr langsam führen die ersten Modifikationen im System Wissenschaft zu Effekten bei der Verfügbarkeit von Wissen für die Gesamtgesellschaft. Auch rund 25 Jahre nach den ersten elektronischen Verfahren zum offenen Austausch wissenschaftlicher Publikationen (Albert 2006) und 350 Jahre nach dem Erscheinen der ersten wissenschaftlichen Fachzeitschrift (Moxham 2015) muss das “alte” System demnach noch immer als weitestgehend stabil bezeichnet werden (Brembs 2015) (Hanekop 2014) (Warnke 2012) und eine Veränderung der Tradition der wissenschaftlichen Praxis im Sinne einer “wissenschaftlichen Revolution” (Kuhn 2012) scheint bisher (noch) nicht absehbar. Die Gründe und Einflussfaktoren für diese Entwicklung in Wissenschaft und Forschung werden im Folgenden dargestellt, empirisch und experimentell überprüft sowie abschließend diskutiert und zusammengefasst.

Relevanz des Themas

Im Rahmen des postulierten Wandels stehen nicht nur die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, sondern auch das ganze Universitätssystem sowie andere Bildungseinrichtungen und wissenschaftliche Bibliotheken vor bedeutenden Herausforderungen (M